Warum bist du zu dir selbst so viel härter als zu jedem anderen?
Stell dir vor, ein guter Freund macht einen Fehler. Was sagst du ihm? Vermutlich: „Mensch, das kann passieren. Wir finden eine Lösung. Kopf hoch!“ Du bist empathisch, unterstützend und lösungsorientiert.
Aber was passiert, wenn DU diesen Fehler machst?
In deinem Kopf knallt der Hammer auf den Tisch. Eine Stimme meldet sich, die so gnadenlos, unfair und gehässig ist, dass du sie niemals laut gegenüber einem anderen Menschen aussprechen würdest.
Darf ich vorstellen? Der Anführer deiner inneren Saboteur-WG: Der Richter (The Judge).
Er ist der Grund, warum du dich nach einem langen Arbeitstag nicht auf die Couch legst und stolz bist, sondern im Bett liegst und dich fragst, warum du dieses eine Telefonat nicht besser geführt hast. Er ist der Grund für das Gefühl:
„𝗦𝘁𝗼𝗽𝗽. 𝗪𝗲𝗿 𝘄𝗮𝗿 𝗱𝗮𝘀? 𝗦𝗼 𝗯𝗶𝘁𝘁𝗲𝗿, 𝗵𝗮𝗿𝘁 𝘂𝗻𝗱 𝘃𝗲𝗿𝗯𝗶𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗯𝗶𝗻 𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗼𝗰𝗵 𝗴𝗮𝗿 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁!“
Der Richter ist ein Meister der Verkleidung. Er flüstert dir ein, dass er dein „Gewissen“ sei oder dein „Antrieb“. Dass du ohne seinen Druck faul oder mittelmäßig wärst.
Die Wahrheit ist: Er lügt. Er ist kein Antrieb, er ist eine Bremse. Er erzeugt den emotionalen Nebel aus Stress, Scham und Ärger, der deine eigentliche Intelligenz und Gelassenheit blockiert. Er be- und verurteilt in drei brutalen Varianten:
Das Schlimmste daran? Wir glauben ihm. Wir halten seine Giftpfeile für „objektive Realität“.
Dabei ist er nur eine uralte Software. Ein Schutzmechanismus aus deiner Kindheit, der heute völlig über das Ziel hinausschießt und deine wahre, souveräne Persönlichkeit maskiert.
Lass uns heute mal den Hammer aus der Hand legen.
Die erste Übung, um dein echtes Ich zurückzuholen: Werde zum Beobachter. Erwisch ihn dabei. Achte heute mal ganz bewusst darauf: Welchen Satz sagt dein innerer Richter am häufigsten zu dir? Ist es ein „Ich bin nicht gut genug“ oder eher ein „Warum sind die anderen so dumm?“
Teil diesen Satz gerne hier mit uns. Sobald wir diese Sätze laut aussprechen oder aufschreiben, verlieren sie ihre Macht. Du merkst: Es ist nur ein Satz. Es ist nur eine Stimme. Und es ist nicht dein wahres Ich.









